Wohnungspolitische Aktivitäten

Wohnungsmangel, Immobilienhaie und Hausbesetzungen in der Nordstadt. Die Gründung des Nordstadt-Forums fiel auch in eine dramatische Phase des Wohnungsmarktes. 

Die Volkszählung 1987 ergab viel weniger Wohnungen als angenommen. Der Zustrom von Aus- und Übersiedlern löste einen Wohnungsmangel und teilweise auch eine Wohnungsnot mit Unterbringung in Turnhallen und Wohncontainern aus. Spekulanten aus Süddeutschland wurden zunehmend auf die Nordstadt aufmerksam. Das „Futter“ waren vor allem die heruntergekommenen und abgestoßenen Straßenzüge der Julius Ewald Schmitt GmbH an Mallinckrodt-, Uhland- und Leibnizstraße. Zudem zogen sich industrieverbundene Vermieter wie Hoesch Stahl und Veba Wohnen aus der Nordstadt zurück und brachten ihre Bestände auf den Markt. Auch die Stadt Dortmund wollte sich von den letzten, in den Sanierungsgebieten zu Abrisszwecken aufgekauften Wohnungen trennen und diese privatisieren.

Das Nordstadt-Forum setzte sich in der Anfangsphase seines Bestehens intensiv mit den genannten wohnpolitischen Themen auseinander. Vorbereitet und initiiert wurden die darauf bezogenen Aktivitäten von einer „Arbeitsgruppe Wohnen“. Diese wurden dann in die Sitzungen Nordstadt-Forum hineingetragen, dort präsentiert und zur Diskussion gestellt. So wurde bei dem Treffen am 05.02.1992 ein Papier beschlossen, das in seinem analytischen Teil auf die Probleme des Wohnens in der Nordstadt einging und in Handlungsempfehlungen mündete. In bilateralen Gesprächen mit Politik und Verwaltung sowie im Rahmen eines Hearings „Zur Situation und zu den Perspektiven des Wohnens in der Nordstadt“ (Juni 1992) wurde der Diskurs darüber weiter vorangetrieben. Eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wohnen in der Nordstadt“ folgte am 6. Oktober 1992.

Gerade in den besonders heruntergewirtschafteten und meist ausnahmslos an Migranten vermieteten Wohnungsbeständen kam es zu überaus dramatischen Entwicklungen. Zum Beispiel froren in einigen Häusern an der Mallinckrodtstraße im Winter die Abwasserrohre ein, platzten und ergossen sich in die Hausflure und hinterließen gefährliche Schlinderbahnen. In der Uhlandstraße wurden sogar von den Spekulanten die Heizungsanlagen systematisch zerstört, um die noch verbliebenen Mieter zu vertreiben, zudem wurde der Sprecher des Mietervereins krankenhausreif geschlagen. Die Gegenreaktionen gingen von Demonstrationen und Flugblattaktionen bis hin zu Hausbesetzungen wie im Falle der Holsteiner Straße 15. 

Das Nordstadt-Forum nahm sich dieser Probleme an und bündelte die Kräfte in einer Arbeitsgruppe Wohnen. Mit den Aktiven und externen Unterstützern wie dem Mieterverein Dortmund aber auch der Dortmunder Selbsthilfe wurden Erfolge erzielt. Die Wohnungen der Stadt und der Hoesch Stahl AG wurden von der Ruhr-Lippe Wohnungsgesellschaft gekauft. Spekulanten gingen in Konkurs, Wohnungsleerstände wurden angeprangert und schrittweise beseitigt. Stadt und Wohnungsgesellschaften bebauten die letzten Reserveflächen der Nordstadt mit moderneren Wohnungen. Bei den Neubauwohnungen handelte es sich fast ausnahmslos um öffentlich geförderten Wohnraum mit entsprechenden Mietobergrenzen und Belegungsbindungen. Mitte der 1990er Jahre entspannte sich der Wohnungsmarkt wieder.

"Horrorhaus", Kielstraße 26

Der „wiederauferstandene“ Schüchtermannblock ist heute das positive Anschauungsbeispiel aus dieser Zeit. Das Negativbeispiel das sog. „Horrorhaus“ Kielstraße 26.

Trotz der wegen der Bevölkerungsrückgänge spürbaren Entspannungsprozesse auf dem lokalen und regionalen Wohnungsmarkt standen wohnpolitische Themen in der Arbeit des Nordstadt-Forums immer wieder auf der Tagesordnung. Ab Mitte der 1990er Jahre wurden insbesondere die spezifischen Versorgungs- und Zugangsprobleme einzelner Bevölkerungs-gruppen (v.a. von Menschen mit Migrationshintergrund) zum Gegenstand der Gespräche und Impulsgebungen.

In den letzten Jahren und aktuell geht es vermehrt um die drohende Privatisierung öffentlicher (LEG, RLW) und industriegebundener (Evonik) Wohnungsbestände und deren drohender Ausverkauf an anonyme Hedgefonds. Denn diese sog. „Heuschrecken“ kommen wegen ihrer horrenden Renditeerwartungen kaum als Partner für eine behutsame Strategie der Bestandsentwicklung in Frage. Weitere Informationen zu Privatisierungsabsichten in den Zeitungsartikeln der WAZ und der Ruhr-Nachrichten vom 11.09.1991.

-> hier geht es zum Bürgerantrag gegen den Verkauf und Abriss städtischer Wohnungen: "Wohnraum erhalten und sozial gestalten"

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