Vorgeschichte

1984

Städtebaulicher Rahmenplan für die Nordstadt. Auf die Abrisssanierung in den 1960er und 70er Jahren folgt das Konzept der „erhaltenden Stadterneuerung.“ Der im Juni öffentlich vorgestellte Rahmenplan skizziert „(…) mit unterschiedlichen Zeithorizonten die Ziele für die zukünftige Entwicklung der Nordstadt“ (Stadt Dortmund – Stadtplanungsamt: Städtebaulicher Rahmenplan Innenstadt Nord, FORUM Nr. 9, Dortmund 1986, 5).

1985

Die Projektgruppe Nordstadt (PG Nord) wird als dezentrale ämterübergreifende Arbeitsgruppe der Verwaltung eingerichtet. Diese erarbeitet „interdisziplinär auf der Grundlage des Rahmenplanes Konzepte für die räumliche Entwicklung der Nordstadt und stimmt diese verwaltungsintern und mit den Bürgern vor Ort ab.“

April 1986

Stadt Dortmund – Projektgruppe Nordstadt (Hrsg.; 1990): Nordstadt-Programm – Neugestaltung der Brunnen- und Gronaustraße (Einladung zur Bürgeranhörung), Dortmund

Der Rat der Stadt Dortmund beschließt das städtebauliche Nordstadt-Programm „als konzeptionelle und finanzielle Grundlage für eine umfassende und nachhaltige Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität in der Dortmunder Nordstadt.“
Die Kapazitäten der Projektgruppe werden schon bald durch die Beauftragung externer Institutionen erweitert. Dazu werden zunächst durch den Planerladen und später auch durch die LEG Stadtteilbüros eingerichtet.

In den folgenden Jahren werden zur Verbesserung der Wohn- und Lebensverhältnisse in der Dortmunder Nordstadt unter anderem Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung durchgeführt, in dessen Rahmen Bürgeranhörungen stattgefinden, z.B. bei der Neugestaltung der Brunnen- und Gronaustraße.

Dezember 1989

Nordstadtpapiere

Nach der Kommunalwahl mit beunruhigend hohen Stimmengewinnen der Republikaner in der Nordstadt (in einzelnen Wahlbezirken bis zu 17%) veranlasst die Verwaltungsspitze bei den mit dem Stadtteil befassten Ämtern erstmals die Erstellung einer ganzheitlichen Problemskizze. Ergebnis sind die sog. „Nordstadtpapiere“. Diese ziehen wegen des hier dokumentierten erhöhten Handlungsbedarfs Ende des Jahres den Beschluss zur Einrichtung eines ämterübergreifenden Arbeitskreises Nordstadt nach sich. Er soll als Steuerungsinstrument für ein integriertes Verwaltungshandeln dienen. Beteiligt sind mehr als 10 Stadtämter und Einrichtungen.
„Fülle und Intensität der Probleme stellen im Vergleich zur Gesamtstadt eine besorgniserregende und konfliktbeladene Situation dar. Diese Ausnahmesituation rechtfertigt und erfordert ein besonderes Verwaltungshandeln mit entsprechenden finanziellen, organisatorischen und personellen Anstrengungen“ (Stadt Dortmund, Ratsvorlage vom 4.12.89).

Mai 1990

Im ersten Sachstandsbericht des „Arbeitskreises Nordstadt“ wird betont, dass die Stadtteilentwicklung nicht allein Aufgabe der Institution „Stadt“ sein kann. „Vielmehr ist es unabdingbar, die vor Ort vorhandenen Initiativen in die Arbeit einzubeziehen“ (Vorlage vom 8.5.1990).

August 1990

Über die lokale Presse wird auch die breitere Öffentlichkeit über die Existenz und Brisanz der bis dahin unter Verschluss gehaltenen „Nordstadtpapiere“ in Kenntnis gesetzt. „Soziale Probleme ersticken die Nordstadt“ ist die Überschrift der Ruhr Nachrichten am 31. August zur Vorlage und Bilanzierung von Untersuchungsergebnissen, die vom Arbeitskreis Nordstadt in der Stadtverwaltung zusammengetragen wurden.

September 1990

In einem Konzeptpapier zur zukünftigen Entwicklung der Nordstadt weist der Planerladen e.V. insbesondere darauf hin, dass die Nordstadt-Papiere ausschließlich die Binnensicht der verschiedenen Dienststellen der Verwaltung widerspiegeln und es keine Bemühungen zum offenen Dialog mit den im Stadtteil engagierten Gruppen und Vereinen gegeben habe: 
"Es muß befremden, daß die Arbeit des Arbeitskreises Nordstadt bisher im Verborgenen gehalten wurde. Kritisch zu sehen ist insbesondere die Tatsache, daß die Problemdefinition fast vollständig hinter verschlossenen Türen ohne die Hinzuziehung der im Stadtteil aktiven Initiativen und Gruppen erfolgte" (RN 06.09.1990: Genug Konzepte für die Nordstadt).

September 1990

Die dritte Zwischenbilanz des Nordstadt-Programms wird vorgestellt. Die Westfälische Rundschau zitiert Projektgruppenleiter Horst Freye: „Nur ein Zusammenspiel aller Beteiligten lasse Lösungen zu. Man müsse, was in letzter Zeit häufiger geschehen sei, auch den einzelnen Bürger zur Mitarbeit anregen.“
Von 1986 bis 1992 werden von der Stadt Dortmund mit finanzieller Unterstützung von Land und Bund 21 Mio. DM investiert sein: in Wohnumfeldverbesserungen auf öffentlichen und privaten Flächen, Verkehrsberuhigungen, Spielgelegenheiten und Platzgestaltungen.
Es entbrennt eine erregte Diskussion um das Nordstadt-Programm, in der der Bezirksvorsteher Jürgen Alexander Fischer "für Norden Solidarität der Gesamtstadt" forderte (WR, 18.10.1990).

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